Anleitung Shabby chic, Vintage, Antike Wand

Auf die Idee mit der Wand bin ich gekommen, weil ich durch Zufall ein “Lost Place”- Bild entdeckt habe, das nannte sich “Der Tod der alten Lady”. Ein alter Sessel vor einer bröckelnden Wand. Fand ich total faszinierend….

Material

  • Schablonen aus Moosgummi und Lampenfolie
  • Pinsel in allen Größen
  • Verschiedene Schwämme
  • Japanspachtel, normale Spachtel und eine venezianische Kelle (die hat abgerundete Kanten) oder Glättkelle, Fugeisen (schmale Spachtel mit einer spitzen und einer geraden Seite)
  • 3l Acrylbinder (Gerstäcker)
  • Acrylfarbe
  • Weiße Wandfarbe (das Meisterweiß von Aldi ist für mich die beste, viele Weißpigmente)
  • 10 Kilo Uniflott, 10 Kilo Marmormehl (Gerstäcker )
  • 1l Latexbindemittel
  • Pigmente (zb von Kremer-Pigmente) oder Abtönkonzentrat (zb Mixol)
  • Abtönfarbe
  • Eimer, Lappen, Folie, Klebeband
  • Styroporleisten
  • eine Borte, hatte ich noch über (Marburg Patent Decor)
  • Kalenderblätter, alte Tapeten, Decoupagepapier, Landkarten uvm
  • Tapetenkleister (ich mische immer etwas Latexbindemittel mit rein)
  • Sprühkleber ablösbar
Tipps

1 – Papier, zb Kalenderblätter kann man auf alt trimmen, in dem man Kaffee drüber gießt und einweichen lässt, ausdrücken und auf einem Gitter im Ofen bei 50-60 Grad 20-30 min trocknen. Manchmal dauert es länger, wenn das Papier sehr dick ist. Selbst ausgedruckte Bilder verlaufen, deshalb das Papier vorher auf alt trimmen

2 – Die Motive für die Moosgummischablonen hab ich auf selbstklebende transparente Folie gedruckt und aufs Gummi geklebt. Man kann auch erst das Motiv aufzeichnen und auf die andere Seite Folie und dann ausschneiden.  So ist das Moosgummi stabiler und vor allem glatter zum spachteln


Rezepte

Rezept glatter Spachtel  (1)

  • 1 Teil Wandfarbe
  • 1 Teil Acrylbinder
  • 1/2 Teil Marmormehl
  • 1/2 Wasser
  • 2 Teile Uniflott

Rezept für reißende Spachtelmasse (2)

  • 1 Teil Wandfarbe
  • 1 Teil Acrylbinder
  • 1 Teil Marmormehl
  • 2 Teile Uniflott

Lasur-Rezept Wand (3)

  • 1 Teil Wasser
  • 1/2 Teil Latex Bindemittel
  • 1/2 Teil Tapezenkleister
  • Pigmente oder Abtönkonzentrat

Lasur-Rezept Steine (4)

  • 1 Teil Wasser
  • 1/2 Teil Latex Bindemittel
  • 1 Teil Wandfarbe
  • Pigmente oder Abtönkonzentrat

oder stattdessen

  • 1 Teil Wasser
  • ½  Teil Latex
  • 1 Teil Abtönfarbe

Arbeitsschritte

  • Wand vorbereiten: alte Tapete ab oder Farbe abwaschen, sandende Untergründe mit Tiefengrund einstreichen

 

  • Grob anzeichnen auf der Wand, wo Bilder zu sehen sein sollen und wo Risse lang gehen sollen

  • Bilder kleben (Tapetenkleister mit Latex Bindemittel mischen) wenn die getrocknet sind noch mal mit Wasser (sonst zu viel Glanz) verdünntem Latex versiegeln.

 

 

 

 

 

  • Lasur anrühren (Rezept 3) und mit Schwamm auftragen. Bei mir blau und lila

 

 

  • Styroporleisten vorbereiten, mit Cutter Risse einschneiden

 

 

 

  • Spachtel anrühren (Rezept 1)
  • Damit die oberen Styropor leisten ankleben und schön mit dem Pinsel und Spachtelmasse die Lücken schließen, etwas Spachtel mit bisschen Wasser flüssiger machen und damit und einem Pinsel über die Leisten streichen, damit sie nicht mehr so glatt sind.

 

 

  • Der Spachtel sollte auf der Kelle gut stehen bleiben, dann hat er eine gute Konsistenz

 

 

 

papierborte
  • Jetzt ist die entscheidende Frage, habt ihr eine Papierborte, oder soll das Muster gespachtelt werden. (Bei mir war es bei der ersten Wand Resteverwertung, deswegen hab ich einen Rest Borte von Marburg benutzt. Die gibt es leider nicht mehr zu kaufen, deswegen zwei unterschiedliche Muster. Leider musste ich feststellen, das die Qualität sehr nachgelassen hat.)

 

  • Nehmt euch eine Wasserwaage und zeichnet euch an, in welcher Höhe die Borte und die Styroporleiste angebracht werden soll. Ich hab erst die Leiste geklebt und dann noch mal in der Breite der Borte (anzeichnen und abkleben) einen glatten Streifen spachteln
  • Borte mit geöffneten Rissen
  • Die Risse der Leisten auf der Wand weiterführend anzeichnen

 

  • Sobald der Spachtel halb trocken ist mit dem Fugeisen die Risse öffnen

 

  • Nach dem durchtrocknen die Borte mit Tapetenkleister anbringen. Entweder reißt ihr sie vorher zurecht, so dass die Risse nicht verdeckt sind, oder klebt, lasst trocknen und schneidet dann mit einem Cuttermesser die Risse nach
  • Alles mit der verdünnten Spachtelmasse oder weißer Wandfarbe gemischt mit bisschen Latex Bindemittel überstreichen

 

  • fertig abgeklebt

    wo die Steine gespachtelt werden sollen, mit grauer Acrylfarbe streichen (graue Wandfarbe geht auch, dann aber etwas Acrylbinder oder Latex mit rein, damit es wasserfest wird), das werden später die sichtbaren Fugen zwischen den Steinen

keine Lasur verwenden, könnte sein, ihr wischt sie ab wenn ihr die Steine farbig macht, ist mir passiert

 

 

 

  • Während die Farbe trocknet fangen wir mit spachteln an
  • die meiste Zeit geht drauf, wenn ihr um die Bilder und Steine spachtelt

 

  • Nehmt mit dem Spachtel Masse auf und streicht ihn auf die venezianische Kelle setzt am Bildrand an und zieht den Spachtel vom Bild weg.

 

 

  • Es sollte eine deutliche Kante stehen

 

 

 

  • Die erste Ladung Spachtel komplett verarbeiten, Dicke 3-5 mm um so dicker um so größer die Risse später (Ich hatte auch mit Krakeleelack experimentiert. Es hat nur der von Farben.tv funktioniert, und auch nur, wenn der Spachtel dünn aufgetragen wird.)
Spitzen ziehen
  • Unregelmäßig auf die Wand auftragen, so
    mit einem flachen pinsel spitzen glätten

    das man teilweise die blau-lila Lasur sieht, etwas anziehen lassen, dann die venezianische Kelle nehmen und die ganze Kellenfläche auf die Wand setzen und nach oben abziehen, so daß Spitzen bleiben

 

 

 

  • glätten

    Großen Flachpinsel nehmen, nass machen und die Spitzen glätten, den Rest mit der venezianischen Kelle glätten (am besten geht es mit der kurzen Seite), so dass noch genug Vertiefungen da sind.

 

 

 

 

 

  • getrocknet und gerissen

    Wenn ihr große Risse im Spachtel haben wollt, solltet ihr euch die Zeit nehmen und mit einem Heißluftföhn oder normaler Haarföhn die Wand trocknen. Ich hab so 10 min getrocknet

 

 

  • Jetzt geht es ans Steine abkleben: ich hab ein 2 cm breites Klebeband
    fertig gespachtelt

    genommen. Überlegt euch, wie groß die Steine werden sollen (bei mir ca. 8 x 18 cm) mit Zollstock und Wasserwaage anzeichen und mit dem Klebeband abkleben. Dann hab ich mir auf dem Klebeband die Form der Steine aufgemalt (runde Ecken und ein paar Kanten, damit es nicht so gleichmäßig aussieht) mit einem Cuttermesser die Linien nachschneiden (eventuelle Schnitte auf dem Untergrund sind egal, kommt ja Spachtel drauf.) Abgeschnittenes entfernen und neue Spachtelmasse anrühren nach Rezept 1

 

 

steine gespachtelt
  • Klebeband richtig andrücken und Spachtelmasse gleichmäßig und glatt auftragen, antrocknen lassen und das Klebeband abziehen. Eventuelle abgeplatzte Kanten und Unregelmäßigkeiten werden nach dem trocknen entfernt, in dem man erst mit einer breiten Japanspachtel

kräftig über die Kanten fährt, eventuell mit 80iger Sandpapier glatt schleifen

 

  • Während das trocknet, können wir mit spachteln im oberen Teil fortfahren. Ich habe meist gleich die vorgezeichneten Risse freigelassen oder zumindest in halb trockenem Zustand eingeritzt. Einfacher, da der Spachtel relativ hart wird.

 

  • Jetzt wird es Zeit die Lasur zu mischen. Nach Rezept 3 und 4
  • Für die Steine hab ich 4 Lasuren aus Fuchsia, blau, lila und weiß genommen (Rezept 4)
  • lasierte Steine

    Ich habe nass in nass gearbeitet. Erst das Fuchsia auf den ganzen Stein dann auf einzelne Steine blau oder lila mit einzelnen Strichen oder Punkten gesetzt und mit einem breiten trockenem Pinsel vertrieben. (Den Pinsel zwischendurch an einem Lappen säubern. ) danach bin ich mit einem feuchten Lappen über die oberste Kante der Steine fahren, so dass man fast den hellen Spachtel sieht, wirkt von weitem wie Lichteinfall. Sollten die Steine noch nicht euren Vorstellungen entsprechen könnt ihr entweder die Lasur gleich mit einem nassen Lappen abwischen (deswegen wasserfeste Farbe für die Fugen 😉 )und nach dem trocknen neu malen oder ihr lasst die Steine trocknen und verbessert dann.

  • Für die Wand habe ich 4 Lasuren in blau, fuchsia, grau und lila gemischt. (Rezept 3)

 

  • Damit wir diese nutzen können, wird jetzt der ganze Rest gespachtelt. Zuerst um die Bilder und Steine, dann an den Styroporleisten lang und dann die Flächen.
  • Trockenzeit ist abhängig vom Untergrund. Auf kaum saugenden Untergrund geht es schnell. ca 3-4 Stunden, auf saugenden Untergrund kann es auch 7 h dauern.

 

  • Ich habe immer in Abschnitten gearbeitet, Wand weise erst oben dann unten. So konnte ich, wenn ich mit dem untersten Abschnitt fertig war, beim oberen anfangen die Risse zu öffnen. Das kann man auch tun, wenn der Spachtel trocken ist, dann muss man aber den Cutter anstatt des Fugeisens nehmen, sonst wird es zu anstrengend.
muster mit walze

 

 

  • Ich bin mit einer Gummiwalze mit Muster einfach über den feuchten Spachtel gerollt. So hatte ich noch schöne Muster mit Vertiefungen

 

 

 

  • Bevor ich die große Wand bearbeitet habe, musste ich den Türrahmen gestalten. Als erstes mit grauer Acryl- oder Wandfarbe grundieren, Für den oberen Teil habe ich ein Stück Styroporplatte und ein Stück Styroporleiste genommen. Die Kapitelle der Säulen habe ich zweimal (mit Zwischentrocknung) mit einer Moosgumischablone gespachtelt. Die Säule und den Fuß mit Klebeband abkleben und spachteln. Auch über den Kopfteil mit verdünntem Spachtel gehen.

 

 

 

  • Wenn alle Flächen gespachtelt sind alles trocknet lassen.
  • moosgummischablone

    Dann geht es los mit den Borten und Mustern spachteln. Die Moosgummischablonen halten am besten, indem man sie mit wieder ablösbaren Sprühkleber auf der Rückseite benetzt. Könnt ihr auch bei der Schablonenfolie benutzen.

 


Farbliche Gestaltung

  • Einen Eimer Wasser und Lappen bereitstellen. Ich habe eine dunkelgrauen
    graue grundlasur

    Lasur und einem breiten Pinsel mit steifen Borsten auf die Spachtelmasse und den Styropor aufgebracht, schön in die Vertiefungen. Dann habe ich mit dem nassen Lappen fast alles wieder abgewaschen, so dass hauptsächlich die Vertiefungen grau sind.

deutlich sichtbare Risse
  • In den Rissen habe ich mit einem dünnen Pinsel auch das dunkle grau aufgetragen
  • Dann die farbigen Lasuren mit dem Pinsel oder Schwamm auftragen und so viel wieder abwischen, bis es euren Vorstellungen entspricht, auch über die Bilder leicht drüber wischen
lasur fuchsia

 

 

 

 

 

 

Stuckleiste u. gespachtelte Bordüre
  • Über die Styroporleisten bin ich mit allen Farben drüber gegangen und gleich wieder abgewischt. Dadurch, dass wir mit dem verdünnten Spachtel vorher über die Leisten gestrichen haben, ist es schön rau, damit die Lasur auch drauf bleibt.

 

  • Arbeitet wieder Abschnitt für Abschnitt.
  • Ich habe erst im oberen Bereich fuchsia und im unteren erst blau und dann nochmal lila drüber.

 

Spachtelmuster hervor gehoben

Die gespachtelten Borten und Muster hab ich farblich ein wenig hervorgehoben

 

 

lasierte Borte

 

 

  • Als letztes die Borte in der Mitte, da hab ich fuchsia und lila gemischt, mit einem Großen Pinsel aufgetragen, kurz trocknen lassen und mit einem feuchten Lappen die Erhöhungen abgewischt

 

  • Zum Schluss mit grauer Lasur und einem weichen kleinen Pinsel die Schatten bei den umspachtelten Bildern hervorheben und mit einem feuchten Schwamm in Richtung Spachtelkante verwischen

 

 

Türblatt gespachtelt und mit Reisslack
  • auf die Tür hab ich erst eine Schicht Spachtel auf gebracht, dann das Motiv gespachtelt, Leisten geklebt und den Rest mit Krakeleelack zum reißen gebracht. und alles mit Schleifpapier bearbeitet, versiegeln mit Lack

 

  • Noch mal alles von Weitem betrachten und eventuelle Fehler überarbeiten, vor allem die Risse noch mal nachziehen

 

Voila, fertig.


Es ist viel Arbeit und viel Staub und viel Zeit, aber es hat sich gelohnt.

Leider kann das beste Bild nicht die wahre Wirkung darstellen, live ist es viel schöner. Das sehe ich, wenn Besuch kommt, der sitzt immer ganz ruhig da und ist mit gucken beschäftigt.

Ich hoffe, ich habe die Anleitung verständlich geschrieben. Wenn ihr Fragen habt, einfach schreiben.

Kritik nehme ich gern an, wenn der Ton stimmt. Doch bedenkt, ich habe das nicht gelernt, es ist das Ergebnis meiner Phantasie und meines Selbststudiums.

Für Tipps bin ich natürlich immer offen.

Für alle Hater, erst besser machen, dann könnt ihr Euch auslassen!!


Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, meinem geliebten Hasi zu danken. Der mir die Freiheit gibt meinen Kopf ausräumen und eben 5 Wochen zwischen Plastikplanen und Farbeimern sitzt ohne einen Vorwurf, erwartungsvoll der Dinge harrt, die da kommen. Und jetzt nicht mehr aus der Stube zu locken ist 😉

bilder fertiges zimmer